Glutenfreies Proteinbrot mit Hanfsamen und Buchweizen

by kirschbiene-
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Die Urlaube meiner Kindheit und Jugend begannen stets mit einem strategisch gepackten Auto, das nach einem lange im Voraus entworfenen Packplan meines Vaters beladen wurde. Okay. Schmarrn. Das Prinzip war vielmehr, einfach jede Ritze zu nutzen und das Auto bis knapp unter das zulässige Gesamtgewicht vollzustopfen. So ging es mit fünf Personen + Hund in benachbarte Länder. Österreich. Frankreich. Dänemark. Und so sicher, wie mein Vater, kaum dass er die deutsch-dänische Grenze überquert hatte, aufgrund des dänischen Tempolimits vom Gaspedal ging und im wahrsten Sinne des Wortes entschleunigte – so sicher kam nach spätestens zwei Wochen Urlaub der leicht seufzend vorgebrachte Satz: „Jetzt eine Scheibe richtiges Brot essen – das wär’s!“ Denn egal, ob französische Croissants oder Baguettes, ob dänische Birkes oder Fransk Formbrød – richtiges Brot war für uns irgendwie etwas anderes.

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Dunkel. Kräftig. Mit Körnern. Auch, wenn ich nie besonders versessen auf Brot war – inzwischen weiß ich gut, was meine Eltern meinten. Andere Länder – andere Brote. Und auch, wenn man es im Urlaub ganz dufte findet, anders zu essen – nach einer Weile ist es damit oft vorbei. Denn dann kommt die von Kindesbeinen an erlernte Esskultur in einem zum Vorschein, man vermisst bekannte und lieb gewonnene Lebensmittel. In meiner brotbegeisternen Familie eben das deutsche Brot. Und ich wette, dass wir damit nicht gerade besonders exotisch waren.

Seit ich glutenfrei lebe, komme ich mir manchmal ein kleines bisschen so vor wie im Dauerurlaub. Weniger, weil seitdem alles supergechillt und eeeeaasy wäre. Nö. Doch auch in mir gibt es die eine oder andere tief verankerte Esstradition, die hin und wieder aufploppt. Ganz manchmal wäre es zum Beispiel schön, eine Scheibe Brot zu essen. Dunkles, kräftiges, körniges Brot.

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Dieses Proteinbrot erfüllt all meine Wünsche. Es ist kräftig. Es ist körnig. Es ist nicht besonders dunkel, dafür aber grün und das ist schließlich die Farbe von Kulthelden wie Hulk, der Green Lantern oder Peter Pan. Überzeugend, nicht wahr :-)?
Wen das überraschenderweise nicht überzeugen sollte, dem sei gesagt, dass dieses Brot unfassbar nahrhaft ist. Es ist pickepackevoll mit Powerlebensmitteln, dass mir glatt die Superlative ausgehen. Aber ich versuch’s.

Hauptzutat ist Buchweizen. Ein geniales Lebensmittel, das in jeder Speisekammer stehen sollte. Buchweizen hat viele positive Eigenschaften, u. a. wirkt er antientzündlich durch das enthaltene Rutin. Er besitzt zudem viele essenzielle Aminosäuren. Im Unterschied zu Weizen oder Reis verfügt Buchweizen zum Beispiel über Lysin. Diese Aminosäure ist für die Reparatur von Gewebe, für die Bildung von Hormonen und für das Immunsystem wichtig und in pflanzlichen Lebensmitteln nicht unbedingt häufig zu finden. Daher heißt es beim Buchweizen zuzuschlagen.
Neben Buchweizen spielen Hanfsamen eine wichtige Rolle in diesem Brot. Ich denke, wir essen alle viel zu wenig Hanf :-). Hanf ist eines der seltenen pflanzlichen Lebensmittel, das über alle acht essenziellen Aminosäuren verfügt. Der Geschmack von Hanfsamen ist nussig, die ungeschälten Samen sind zudem leicht bitter. Geschälte Hanfsamen streue ich gern über Salate oder Gemüsebowls, die ungeschälten Hanfsamen machen sich besser, wenn man sie weiterverarbeitet. Zum Beispiel in diesem Brot. Denn sie sind im Unterschied zu den geschälten Samen ziemlich hart und können einem den Spaß am Salat schnell vermiesen.

Ich gebe zu, dieses Brot ist anders. Kein Sauerteigbrot wie vom Bäcker, nicht fluffig-leicht. Die Brotscheiben sind kompakt, sättigend, reichhaltig. Vielleicht kein richtiges Brot. Aber wie ich finde, genau richtig.

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Toppt das Brot mit Hummus, Guacamole oder Erdnussbutter. Belegt es mit Avocado, Paprika- oder Tomatenscheiben. Kombiniert es mit Scrambled Tofu, Baked Beans oder einem veganen Quark. So oder so, es ergibt eine vollwertige, sättigende und köstliche Mahlzeit für Zwischendurch oder fürs Frühstück.

Grünes Proteinbrot mit Hanfsamen und Buchweizen

Für ein Proteinbrot (Backform mit 24 x 24 cm) braucht man:
150 g Buchweizen
50 g ungeschälte Hanfsamen
50 g Kürbiskerne (plus weitere 30 g)
30 g Sonnenblumenkerne
2 leicht gehäufte EL Gerstengras- oder Weizengraspulver
25 g Kokosöl
200 ml ungesüßte Mandelmilch
50 ml Wasser
1 gestrichenen TL Salz
1 gestrichenen TL Zwiebelpulver
1 TL getrockneten Majoran
1 Messerspitze Paprikapulver, scharf
evtl. ein paar Kerne zum Bestreuen

So geht es:
1. Den Backofen auf 175° C Umluft vorheizen. Die Buchweizenkörner, die Hanfsamen und 50 g Kürbiskerne nach und nach in einem Foodprocessor oder auf einmal in einem Hochleistungsmixer zu einem groben Mehl mahlen.

2. Die Mischung in eine große Schüssel geben, die weiteren 30 g Kürbiskerne und die Sonnenblumenkerne hinzufügen. Sämtliche Gewürze und Gerstengras- oder Weizengraspulver unterrühren.

3. Das Kokosöl bei geringer Hitze schmelzen und mit der Mandelmilch und dem Wasser zu den trockenen Zutaten geben. Alles mit einem Holzkochlöffel verrühren.

4. Eine eckige Back- oder Auflaufform mit Backpapier auskleiden. Es genügt, wenn der Boden der Form mit Backpapier bedeckt ist. Die Teigmasse hineingeben und mit einem Teigschaber glatt streichen. Der Teig ist nicht sehr hoch, ca. 1 cm. Wer mag, bestreut den Teig mit weiteren Kürbis- und Sonnenblumenkernen.

5. Das Brot im vorgeheizten Ofen 25 Minuten backen. Nach dem Backen für weitere 10 Minuten in der Form lassen, dann in vier gleich große Stücke schneiden und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

6. Brotscheiben nach Wahl belegen. Im Kühlschrank hält sich das Brot in einem luftdichten Behälter 2-3 Tage und schmeckt aufgetoastet wie frisch gebacken.

Enjoy ❤! Eure

Kirschbiene

kirschbiene

20 Comments

  1. Krisi

    Wow das ist ja ein richtiges Powerbrot, so tolle Zutaten!Sieht toll aus mit der grünen Farbe=)Es ist sicher nicht so leicht ein glutenfreies Brot zu backen, toll das du eine Lösung gefunden hast!
    Liebe Grüsse,
    Krisi

    10 . Jan . 2016
  2. Kirschbiene

    Huhu Krisi,
    die Farbe des Brotes finde ich auch cool – macht irgendwie gute Laune, so ein grünes Brot :-). Du hast Recht, glutenfreies Brot zu backen, ist erst einmal ganz schön ungewohnt. Das Ergebnis ist es auch, doch ungewohnt ist nicht immer verkehrt ;-).
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

    10 . Jan . 2016
  3. Billa

    Interessant, die Farbe : ) Ich bin auch immer am rumprobieren, was glutenfreies Brot angeht, denn die gekauften gehen nämlich gar nicht! Schmeckt denn der Buchweizen sehr durch? Daran scheitert es nämlich meistens bei mir, weil ich den Geschmack sehr intensiv finde.
    Es grüßt die Billa

    11 . Jan . 2016
  4. leafysoul

    Die Farbe ist irgendwie spannend… ist es Absicht, dass du kein Triebmittel reingegeben hast?
    Du hast Recht, am Anfang ist es irgendwie schwierig ein gutes glutenfreies Brot zu backen. Ich stell demnächst mal wieder ein paar Rezepte ohne Stärke rein, falls du die mal probieren willst 🙂 Und ein Tipp, wenn du Körnerbrot backst, weich die Saaten und Körner unbedingt in heißem Wasser ein, sonst ziehen sie dem glutenfreien Brot zu viel Feuchtigkeit!
    Alles Alles Liebe
    Lucy

    11 . Jan . 2016
  5. Kirschbiene

    Huhu Billa,
    geht mir auch so, dass ich noch kein wirklich tolles glutenfreies Brot gefunden habe – bis auf selbst gemachtes eben :-). Den Buchweizen schmeckt man schon, er macht in diesem Rezept ja einen nicht unwesentlichen Bestandteil aus. Wenn du den Geschmack also nicht sooo toll findest (Billa, wie kannst du nur ;-)!?), ist das Rezept hier vermutlich nix für dich. Lass es mich wissen, wenn bei deinem Getüftele ein gutes, glutenfreies Brot herauskommt (ohne Buchweizen ;-)) – ich freue mich immer über Anregungen.
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

    11 . Jan . 2016
  6. Kirschbiene

    Huhu Lucy,
    was soll ich sagen, mir war irgendwie nach grünem Brot *lach*. Ich wollte flache Scheiben haben, möglichst kompakt, daher habe ich kein Backtriebmittel verwendet, ja :-).
    Danke für den Tipp zum Einweichen der Körner und Samen! Das werde ich beim nächsten Mal ausprobieren und bin gespannt auf das Ergebnis.
    Ich schaue dann demnächst wieder bei dir vorbei und freue mich auf Brot-Ideen :-).
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

    11 . Jan . 2016
  7. Angie/Bissen für's Gewissen

    Das ist ja ein cooles Rezept! Und schönes Design hast du da 🙂 Übrigens danke für deinen Kommentar bei mir am Blog – jetzt hab ich endlich auch mal her gefunden.

    Liebe Grüße
    Angie

    11 . Jan . 2016
  8. Anonym

    Ich habe gestern dein Brot nachgebacken und muss sagen einfach nur der Wahnsinn. Sogar mein Mann hat es probiert und das hat wirklich was zu sagen. Leider ist es bereits so gut wie leer. Daher wird heute oder morgen mehr davon gebacken. LG Steffi

    12 . Jan . 2016
  9. Kirschbiene

    Huhu Angie,
    ich freue mich, dass du hergefunden hast :-)! Schön, dass dir das Layout gefällt – du weißt ja, wie man sich wegen eines Layouts leicht kirre machen kann *lach*.
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

    12 . Jan . 2016
  10. Kirschbiene

    Huhu Steffi,
    wow, vielen Dank für dein tolles Feedback :-)! Ich freue mich total, dass das Brot bei dir (und deinem Mann) so gut ankommt. Ich wünsche dir viel Spaß beim Nachbacken! Ich produziere hier auch laufend Nachschub … 😉
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

    12 . Jan . 2016
  11. Brigitte

    Liebe Kirschbiene,

    inzwischen weißt Du ja, dass ich total verliebt bin in Dein tolles Brot. Ich habe es gestern gebacken und sowohl ganz frisch, als auch getoastet genossen und nachdem ich mit meinem Freund teilen musste :-), ist nun schon alles weg. Ich fand schon den Geruch beim Zusammenrühren der Zutaten einfach himmlisch und die Kombi aus kräftig und körnig ist einfach perfekt. Mit den Gewürzen kann man auch super spielen, ich habe z.B. Kräuter der Provence statt Majoran verwendet und beim nächsten Mal werde ich das Ganze wohl wieder etwas abwandeln.
    Ach ja und was Du über Urlaub und Brot schreibst, kenne ich auch nur zu gut :-), allerdings finde ich es immer schwieriger, richtig gutes Brot zu kaufen – inzwischen muss man echt alles selbst machen. 😉

    Herzliche Grüße aus Wien
    Brigitte

    12 . Jan . 2016
  12. Kirschbiene

    Huhu Brigitte,
    wenn ich nicht eh schon so groß wäre, würde ich angesichts deines lieben Kommentars vor Freude und Stolz sicherlich NOCH größer werden *lach*. Danke, meine Liebe, you made my day :-).
    Und ja – ich bekomme auch mehr und mehr das Gefühl, das man alles selbst machen muss, wenn es gescheit werden soll ;-). Aber das haut uns auch nicht um, gell?
    Liebe Grüße nach Wien,
    Kirschbiene

    12 . Jan . 2016
  13. Lynn Hoefer

    Sieht dieses Brot lecker aus! Die grüne Farbe vom Weizengrad ist vor allem witzig! Ich liebe solche Brote ja sowieso!
    Ganz liebe Grüße von Lynn
    http://www.de.heavenlynnhealthy.com

    19 . Jan . 2016
  14. Kirschbiene

    Huhu Lynn,
    danke für deinen Kommentar. Die Farbe des Brotes finde ich auch zum Schreien & freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich so ein Kermit-Brot aus dem Ofen hole … :-).
    Sei lieb gegrüßt!
    Kirschbiene

    20 . Jan . 2016
  15. Nicole Bauer

    Liebe Bianca,
    habe gerade dein Brot gebacken. Kann nur sagen, duftet gut und schmeckt gut – musste natürlich gleich ein Stück mit Hummus verputzen – lecker, lecker. Das Rezept wird ab sofort in die Rubrik " Muss ich öfter machen" aufgenommen.
    Hatte keine eckige Form, daher musste meine Runde Pie-Form herhalten. Daher sind es kuchenstückförmige Brotscheiben geworden – tut dem Ganzen natürlich keinen Abbruch.
    Vielen Dank für das tolle Rezept,
    Tschö tschö
    Nicole

    01 . Feb . 2016
  16. Kirschbiene

    Huhu Nicole,
    vielen Dank für dein Feedback, ist ja toll, dass mein Brot es in deine "Muss-ich-öfter-machen"-Riege schafft hat :-). Brot in Kuchenstückform klingt definitiv prima, muss ja nicht immer eckig sein ;-).
    Liebe Grüße
    Bianca

    02 . Feb . 2016
  17. Brigitte

    Liebe Bianca,
    Du wirst es kaum glauben, aber ich habe Dein tolles Brot heute in süße Protein-Gugelhupfe transformiert. 🙂 Statt der pikanten Gewürze kamen Vanille und Orangschale dazu, außerdem Backpulver, Kakaonibs und Reissirup. Und für die Deko habe ich einigen noch einen Schokoguss und gehackte Kürbiskerne verpasst. Das Experiment ist voll geglückt und ich bin hin und weg – so, so, so lecker!
    Süße Grüße
    Brigitte

    25 . Mrz . 2016
  18. Kirschbiene

    Brigitte, nun bin ich mal wieder platt angesichts deiner Kreativität :-)! Von diesen Protein-Gugelhupfen hätte ich ja zu, zu, zu gern ein Foto gesehen! Grün waren sie aber nicht, oder ;-)?
    Liebe Grüße
    Bianca

    26 . Mrz . 2016
  19. Brigitte

    Leider haben sie es nicht mehr aufs Foto geschafft, weil sie soooo gut und viel zu schnell vernascht waren. 🙂 Aber ich werde sie sehr bald nochmals machen und dann auch knipsen (versprochen!). Innen waren sie ganz leicht grün, allerdings nur durch die Kürbiskerne, weil ich das Gerstengraspulver weggelassen habe. Außen verschwindet die Farbe durch das Anliegen an der Backform aber ohnhin.
    Süße Grüße
    Brigitte

    27 . Mrz . 2016
  20. Kirschbiene

    Jahaaaa, bitte ein Foto zeigen! Finde ich wirklich kreativ von dir und freue mich darüber, was man mit einem Rezept so alles anstellen kann :-).
    Liebe Grüße
    Bianca

    01 . Apr . 2016

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