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Man kommt im Herbst schwerlich an Zwetschgen, Äpfel und Birnen vorbei. Und das ist auch gut so. Vor allem diese Herbstfrüchte erinnern mich an meine Kindheit, mehr als es Blaubeeren oder Himbeeren jemals könnten. Das liegt auch auf der Hand, denn meine Oma schien vor allem von Baumobst regelrecht besessen. Nicht nur, dass sie im Herbst regelmäßig mit einem Apfelplücker unter irgendeinem Baum in unserem Garten stand und die Früchte herunterangelte. Nein, wirklich engagiert war sie beim Fallobst.

Sie konnte gefühlt ewig um die Bäume herumtänzeln, den Rücken gebeugt und die Augen wie ein jagendes Tier auf ihre Beute gerichtet. Zwetschge um Zwetschge wurde aufgesammelt, möge sie auch noch so matschig gewesen sein. Denn für Kompott eigneten sich diese von uns Kindern verschmähten Früchte allemal. Rückblickend bewundere ich meine Oma für diese Geduld, dafür, dass sie den schmerzenden Rücken in Kauf nahm für einen Korb voller Fallobst. Ich hoffe, dass etwas von dieser stoischen Geduld auch irgendwo in mir schlummert.

Mit den unversehrten Früchten wurde übrigens Kuchen gebacken, da wir eine große Familie waren, bevorzugt Blechkuchen. Ich frage mich, ob heutzutage noch jemand Fallobst aufliest – die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen? Und dann zuckersüße, zimtlastige Kuchen damit backt, deren Duft es schafft, ein halbes Dutzend Menschen ohne Absprache zur selben Zeit um den Küchentisch zu vereinen? Ich liebe diesen Gedanken und hoffe, er gehört nicht ins Reich der Nostalgie.

Unsere Zwetschgen heute jedenfalls sind gekauft, die Bäume meiner Kindheit sind ganz unromantisch dem Alter, Käferbefall und was weiß ich nicht alles zum Opfer gefallen. Was definitiv kein Grund ist, auf die herbstliche Früchtebackstube zu verzichten. Noch immer ist der Duft von Obstkuchen für mich magisch.

Wenn es schnell gehen soll oder die Zutaten für einen Kuchen fehlen, kommt bei mir oft ein Crumble dabei heraus. Eigentlich als Nachspeise konzipiert, bei der Früchte mit Streuseln überbacken werden, erfüllt der Crumble doch alle Eigenschaften, die es für eine nachmittägliche Teestunde braucht:
Er erfüllt bereits beim Backen die Küche mit einem unbeschreiblichen Duft.
Er schmeckt säuerlich und süß zugleich – ganz wie ein echter Obstkuchen.
Er wird mit Sahne noch leckerer.
Er darf, nein er sollte, warm genossen werden (etwas, das meine Oma mir beim Zwetschgenkuchen zum Beispiel immer ausreden wollte).

Mit Zwetschgen wird Crumble besonders lecker. Doch auch Äpfel oder säuerliche Birnen harmonieren (wichtig meiner Meinung nach ist eine gewisse Säure beim Obst – erst durch den Kontrast zu den süßen Streuseln entsteht der Zauber).

Dass ein Crumble warm genossen werden sollte, hatte ich schon erwähnt? Dass eine Beigabe ihn noch besser macht, schicke ich an dieser Stelle lieber noch hinterher. Die Zwetschgenkuchen meiner Kindheit wären unvollständig gewesen ohne süße Sahne. So ähnlich ist es auch beim Crumble. Frisch aufgeschlagene Kokossahne, veganes Vanilleeis, etwas Kokosjogurt oder selbstgemachte Vanillesoße katapultieren den Crumble ins nächste Level.

Herbstlicher Zwetschgen-Crumble mit Zimt

Für eine flache Backform (ca. 26 x 20 cm) braucht man:

300 g Zwetschgen
75 g glutenfreie Haferflocken
75 g Buchweizenkörner
30 g Kokosblütenzucker
1/2 TL gemahlene Vanille
1/2 TL gemahlenen Zimt
75 g Kokosöl

So geht es:

1. Den Backofen auf 170° C (Umluft) vorheizen. Die Backform mit etwas Kokosöl ausreiben.

2. Die Zwetschgen waschen, halbieren und den Kern entfernen.

3. Die Haferflocken und den Buchweizen zu einem groben Mehl mahlen. Die Mehlmischung in eine Schüssel geben. Kokosblütenzucker, Vanille, Zimt und zimmerwarmes Kokosöl hinzufügen. Mit den Fingern alle Zutaten zu einem krümeligen Teig verkneten.

4. Die Zwetschgenhälften in die vorbereitete Backform geben. Den Teig in kleineren und größeren Klecksen auf die Zwetschgen krümeln.

5. Die Form in den Ofen stellen und den Crumble 20 bis 25 Minuten backen – die Streusel sollten leicht gebräunt sein. Warm servieren und dazu frische Kokossahne, Vanillesoße oder leicht gesüßten Kokosjogurt servieren.

 

Enjoy ❤! Eure

[:en]

Man kommt im Herbst schwerlich an Zwetschgen, Äpfel und Birnen vorbei. Und das ist auch gut so. Vor allem diese Herbstfrüchte erinnern mich an meine Kindheit, mehr als es Blaubeeren oder Himbeeren jemals könnten. Das liegt auch auf der Hand, denn meine Oma schien vor allem von Baumobst regelrecht besessen. Nicht nur, dass sie im Herbst regelmäßig mit einem Apfelplücker unter irgendeinem Baum in unserem Garten stand und die Früchte herunterangelte. Nein, wirklich engagiert war sie beim Fallobst.

Sie konnte gefühlt ewig um die Bäume herumtänzeln, den Rücken gebeugt und die Augen wie ein jagendes Tier auf ihre Beute gerichtet. Zwetschge um Zwetschge wurde aufgesammelt, möge sie auch noch so matschig gewesen sein. Denn für Kompott eigneten sich diese von uns Kindern verschmähten Früchte allemal. Rückblickend bewundere ich meine Oma für diese Geduld, dafür, dass sie den schmerzenden Rücken in Kauf nahm für einen Korb voller Fallobst. Ich hoffe, dass etwas von dieser stoischen Geduld auch irgendwo in mir schlummert.

Mit den unversehrten Früchten wurde übrigens Kuchen gebacken, da wir eine große Familie waren, bevorzugt Blechkuchen. Ich frage mich, ob heutzutage noch jemand Fallobst aufliest – die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen? Und dann zuckersüße, zimtlastige Kuchen damit backt, deren Duft es schafft, ein halbes Dutzend Menschen ohne Absprache zur selben Zeit um den Küchentisch zu vereinen? Ich liebe diesen Gedanken und hoffe, er gehört nicht ins Reich der Nostalgie.

Unsere Zwetschgen heute jedenfalls sind gekauft, die Bäume meiner Kindheit sind ganz unromantisch dem Alter, Käferbefall und was weiß ich nicht alles zum Opfer gefallen. Was definitiv kein Grund ist, auf die herbstliche Früchtebackstube zu verzichten. Noch immer ist der Duft von Obstkuchen für mich magisch.

Wenn es schnell gehen soll oder die Zutaten für einen Kuchen fehlen, kommt bei mir oft ein Crumble dabei heraus. Eigentlich als Nachspeise konzipiert, bei der Früchte mit Streuseln überbacken werden, erfüllt der Crumble doch alle Eigenschaften, die es für eine nachmittägliche Teestunde braucht:
Er erfüllt bereits beim Backen die Küche mit einem unbeschreiblichen Duft.
Er schmeckt säuerlich und süß zugleich – ganz wie ein echter Obstkuchen.
Er wird mit Sahne noch leckerer.
Er darf, nein er sollte, warm genossen werden (etwas, das meine Oma mir beim Zwetschgenkuchen zum Beispiel immer ausreden wollte).

Mit Zwetschgen wird Crumble besonders lecker. Doch auch Äpfel oder säuerliche Birnen harmonieren (wichtig meiner Meinung nach ist eine gewisse Säure beim Obst – erst durch den Kontrast zu den süßen Streuseln entsteht der Zauber).

Dass ein Crumble warm genossen werden sollte, hatte ich schon erwähnt? Dass eine Beigabe ihn noch besser macht, schicke ich an dieser Stelle lieber noch hinterher. Die Zwetschgenkuchen meiner Kindheit wären unvollständig gewesen ohne süße Sahne. So ähnlich ist es auch beim Crumble. Frisch aufgeschlagene Kokossahne, veganes Vanilleeis, etwas Kokosjogurt oder selbstgemachte Vanillesoße katapultieren den Crumble ins nächste Level.

Herbstlicher Zwetschgen-Crumble mit Zimt

Für eine flache Backform (ca. 26 x 20 cm) braucht man:

300 g Zwetschgen
75 g glutenfreie Haferflocken
75 g Buchweizenkörner
30 g Kokosblütenzucker
1/2 TL gemahlene Vanille
1/2 TL gemahlenen Zimt
75 g Kokosöl

So geht es:

1. Den Backofen auf 170° C (Umluft) vorheizen. Die Backform mit etwas Kokosöl ausreiben.

2. Die Zwetschgen waschen, halbieren und den Kern entfernen.

3. Die Haferflocken und den Buchweizen zu einem groben Mehl mahlen. Die Mehlmischung in eine Schüssel geben. Kokosblütenzucker, Vanille, Zimt und zimmerwarmes Kokosöl hinzufügen. Mit den Fingern alle Zutaten zu einem krümeligen Teig verkneten.

4. Die Zwetschgenhälften in die vorbereitete Backform geben. Den Teig in kleineren und größeren Klecksen auf die Zwetschgen krümeln.

5. Die Form in den Ofen stellen und den Crumble 20 bis 25 Minuten backen – die Streusel sollten leicht gebräunt sein. Warm servieren und dazu frische Kokossahne, Vanillesoße oder leicht gesüßten Kokosjogurt servieren.

Enjoy ❤! Eure

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6 thoughts on “Herbstlicher Zwetschgen-Crumble mit Zimt

  1. Liebe Bianca,

    Dein Beitrag lässt mein Herz erstrahlen. Ich weiß nicht, ob es Dein liebevoller Text, die Beschreibung des Crumbles oder die Vorstellung seines verführerischen Dufts ist…- ich tippe mal auf eine Mischung aus allem. 😉
    Crumble ist echt ein Geschenk des Himmels: mit nur wenigen Zutaten gezaubert und dank der Früchte immer wieder anders, aber immer super lecker.

    Die Bäume meiner Kindheit gibt es zum Glück noch und beschenken mich noch heute mit den tollsten Äpfeln der Welt. 🙂 Und wenn ich ans Ernten denke, dann kommt mir sofort mein Papa in den Sinn, der sich für jedes Äpfelchen bückt und die unversehrten voller Hingabe auslegt und regelmäßig umschichtet. Das halbe Dutzend Menschen, die dann genüsslich Kuchen schlemmen, die gibt es allerdings nicht (mehr).

    Süße Grüße
    Brigitte

  2. Super lecker, da würde ich direkt am liebsten eine Portion von nehmen=) Ich liebe Crumble, da man sie noch so schön warm ist und die Früchte durch das Backen herrlich süss werden…
    Liebe Grüsse,
    KRisi

  3. Huhu Brigitte,
    hach, dann würde ich mal sagen, Ziel erreicht, wenn mein Beitrag dich so froh gemacht hat :-).
    Einige Bäume meiner Kindheit haben zum Glück auch bis heute überlebt – zum Beispiel die Kirschbäume, die meine Eltern für uns Kinder gepflanzt hatten. Das ist schon was Tolles!

    Ich finde ja, dass Crumbles viel zu wenig Beachtung finden, dabei sind sie so simpel und gut :-)!

    Liebe Grüße
    Bianca

  4. Liebe Bianca,

    ich kann mich Brigitte nur anschließen: Du beschreibst das so liebevoll, dass man sich fast vorkommt, als wäre man selbst mit dabei gewesen. Fallobst kenne ich auch in Rest-Kompott-Verwertung von meinen Großeltern und trauere immer noch den alten Bäumen in deren kleinem Garten hinterher. Irgendwann, das habe ich mir geschworen, habe ich auch einen Apfel-, Pflaumen und Kirschbaum. So richtig große, die dann so richtig alt werden. Unter denen dann andere Kinder (vielleicht meine?) Fallobst verschmähen können.

    Dein Crumble-Rezept klingt auf jeden Fall wieder großartig und schaut so aus, dass ich mal wieder daran erinnert werde, dass ich selbst schon lange mal einen blogreifen gebacken haben wollte…Aber was nicht ist, kann ja noch werden. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  5. Huhu liebe Jenni,

    ich freue mich sehr, mal wieder von dir (hier) zu lesen :-).
    Ach, ich finde es so toll, dass wir alle ähnliche Erinnerungen an die Kindheit mit ihren Fallobst-Gärten haben. Ich versuche, das einigermaßen aufrecht zu halten und die eigenen Äpfel im Garten brav aufzulesen (wobei ich mir sage, dass es auch okay ist, Äpfel liegenzulassen, denn die Amseln stürzen sich immer ganz begeistert darauf ;-)).

    Ja, eigene Bäume sind wirklich herrlich. Wir haben es also immerhin zu einem Apfelbäumchen gebracht, das selbst unseren harten Wintern hier am Alpenrand trotzt und uns jedes Jahr mit einigen kleinen, aber feinen Äpfeln beglückt. Ich kann deinen Wunsch nach eigenen Obstbäumen also total nachvollziehen :-).

    Oh ja, einen Crumble solltest du dir dieses Jahr noch gönnen – vielleicht ja sogar mit Äpfelchen statt Zwetschgen?

    Liebe Grüße
    Bianca

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