Johannisbeer-Schnecken

by kirschbiene-

 

Als kleines Mädchen hatte ich eine beste Freundin, die in derselben Straße wohnte wie ich. Nach der Schule (natürlich erst, NACHDEM ich brav meine Hausaufgaben gemacht hatte) stand ich so gut wie jeden Tag vor ihrer Haustür, um sie zum Spielen abzuholen. Meistens öffnete mir ihre Mutter, die mir mitteilte, dass meine Freundin erst noch Mittagsschlaf zu halten hätte. Und so zog ich jedes Mal wieder ungeduldig davon, wartete, bis die offizielle Mittagsschlafzeit vorbei war und versuchte erneut mein Glück. Meistens konnten wir dann frei umher ziehen und spielen, was in der Regel so aussah, dass wir uns irgendwo im Grünen herumtrieben, „Schnitzeljagden“ organisierten, auf Bäume kletterten oder in dem phänomenalen Spielhäuschen meiner Freundin „Familie“ spielten.
Doch es kam genauso gut vor, dass wir von ihrer Mutter kleine Arbeitsaufträge bekamen. Das erschien mir dann jedes Mal wie Frondienst. Im Garten meiner besten Freundin standen nämlich Unmengen von Obstbäumen und -sträuchern. Mal sollten wir also Fallobst einsammeln, mal Erbsen aus den Schoten pulen und gerade im Hochsommer stand das Pflücken von diversem Beerenobst auf der Tagesordnung. Ich weiß noch genau, dass ich manchmal das Gefühl hatte, dass mein kleines Emaille-Eimerchen nie voll werden würde. Johannisbeer-Rispe um Johannisbeer-Rispe fiel mit einem leisen „Plopp“ hinein und ich war sicher, der Eimer musste irgendwo ein Loch haben.
Irgendwann war es aber tatsächlich vollbracht: Unzählige leuchtend rote Johannisbeeren befanden sich im Eimer und ob ich wollte oder nicht – ich musste einen gewissen Stolz angesichts dieser reichen Beute empfinden.
Heute stehen immerhin zwei Johannisbeersträucher in unserem Garten, aber sie befinden sich noch in der Kinderstube und sind weit davon entfernt, mit ihrem Ertrag Eimer oder Eimerchen zu füllen. Daher bin ich für dieses Rezept zu meinem Obst- und Gemüsehändler gegangen, der die schönsten Johannisbeeren im Angebot hatte. Irgendwann einmal werden unsere Gartensträucher (hoffentlich) auch so reich tragen wie die Sträucher aus meiner Kindheit. Bis es soweit ist, muss ich aber zum Glück nicht auf den Genuss dieser Hefeschnecken verzichten, die so fruchtig-saftig und köstlich sind, dass ich wünschte, die Johannisbeer-Saison möge nie vergehen :-).
Für 8-9 Schnecken braucht man:
375 g Mehl
1/2 Hefewürfel (21 g)
60 g Zucker
1 Prise Salz
175 ml Mandelmilch (oder eine andere Pflanzenmilch)
50 g Margarine
Für Füllung und Guss braucht man:
300 g Johannisbeeren
50 g Margarine
100 g Zucker
80 g Puderzucker
2 EL Zitronensaft
So geht es:
Das Mehl mit Zucker und Salz in eine Schüssel geben, in die Mitte eine kleine Kuhle drücken. Die Margarine bei mittlerer Hitze in einer Schüssel schmelzen, auf Handwärme abkühlen lassen. Die Mandelmilch lauwarm erhitzen. Die Hefe in eine kleine Schüssel geben und mit 2-3 EL der erwärmten Milch verrühren, bis sie sich aufgelöst hat. Die Hefemilch nun in die Mehlkuhle gießen und mit so viel Mehl vom Rand verrühren, dass ein noch recht flüssiger Vorteig entsteht. Die Schüssel mit einem Küchentuch abdecken und an einem warmen Ort 15 Minuten gehen lassen.
Nach dieser Gehzeit die restliche Mandelmilch sowie die zerlassene und nun lauwarm abgekühlte Margarine zum Mehl geben. Alles mit einem Küchenlöffel grob miteinander vermengen, so dass die Zutaten binden. Nun den Teig von Hand so lange kneten, bis er sich geschmeidig und glatt anfühlt (mindestens fünf Minuten solltet ihr dafür einplanen). Sollte der Teig kleben, noch etwas Mehl einarbeiten. Die Schüssel mit dem Hefeteig erneut mit dem Küchentuch abdecken und an einem warmen Ort parken (z. B. im auf 50° C vorgeheizten und wieder ausgeschalteten Backofen), wo der Hefeteig in Ruhe gehen kann. Nach 50-60 Minuten sollte der Teig sein Volumen gut verdoppelt haben, wenn nicht, noch etwas mehr Gehzeit zugestehen.
In der Zwischenzeit die Johannisbeeren von den Rispen streifen, waschen und gründlich abtropfen lassen. Die Margarine für die Füllung in einer Schüssel schmelzen lassen und beiseite stellen.
Wenn der Hefeteig fertig gegangen ist, eine Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben und den Teig zu einem Rechteck von ca. 30 x 40 cm Größe ausrollen. Das Teigrechteck mit der zerlassenen Margarine bestreichen und die Johannisbeeren darauf verteilen. Alles mit Zucker bestreuen. Den Teig von der schmalen Seite her vorsichtig aufrollen und in 8-9 Scheiben schneiden.
Die so entstandenen Teigschnecken nebeneinander in eine große Auflaufform setzen und die Form bei 200° C für ca. 17 Minuten in den Ofen schieben.
Für den Guss Puderzucker und Zitronensaft verrühren. Die noch heißen Johannisbeerschnecken damit gleichmäßig bestreichen und am besten noch warm servieren.
Enjoy ❤! Eure

kirschbiene

12 Comments

  1. Heldin

    Ha, wie cool 🙂 Ich hatte vor kurzem dieselbe Idee! Finde Johannisbeeren nämlich auch total toll (und musste auch zu hause immer widerwillig ernten…jetzt wäre ich dankbar dafür).
    Sehen sehr lecker aus, deine Schnecken!
    Ich hoffe, Du nimmst es mir nicht übel, wenn ich demnächst ein ähnliches Rezept poste – mit anderem Teig zwar und anderem Guss und überhaupt, aber eben AUCH Johannisbeer-Schnecken…
    Deine hätte ich jetzt aber auch gerne, yummy!
    Viele Grüße*

    24 . Jul . 2014
  2. Kirschbiene

    Huhu Heldin, das ist ja wirklich witzig, dass dir ebenfalls Johannisbeer-Schnecken im Kopf herumspuken :-). Dann mal ran an den Backofen – ich bin schon gespannt auf deine Schnecken. Schöne Rezepte für solche Leckereien kann es doch nie genug geben, gell ;-)?

    24 . Jul . 2014
  3. Natalie

    Die sehen ja toll aus! Zwar habe ich leider nicht das Glück, eigene Johannisbeeren ernten zu können, aber die Johannisbeeren, die ich gestern einfach so auf Verdacht vom Einkaufen mitgebracht haben, landen sicherlich trotzdem gerne in den Hefeschnecken. 🙂

    Alles Liebe
    Natalie

    25 . Jul . 2014
  4. Krisi

    Ach die sehen ja traumhaft aus…da könnt ich mich grad reilegen;) Ich muss endlich meine "scheu" vor Hefeteig los werden, ich verpasse so viel leckeres…*seufz*;)
    LIebe Grüsse,
    Krisi

    25 . Jul . 2014
  5. lisa.k | photographie

    Yummi! Das sieht sehr lecker aus! Da meine Johannisbeeren im Garten gerade wunderbar wachsen und gedeihen, freue ich mich über jede Rezeptanregung. Und diese Schnecken machen wirklich was her, toll!

    Liebe Grüße,
    Lisa von Blogschokolade & Butterpost

    26 . Jul . 2014
  6. Kirschbiene

    Natalie, danke für deinen netten Kommentar :-). Auch gekaufte Johannisbeeren machen sich vorzüglich in diesen Schnecken – mit den paar Beeren aus unserem Garten hätte ich wohl nur ungefähr 2 1/2 Schnecken füllen können ;-). Aber in ein paar Jahren sieht das dann bestimmt anders aus und ich kann mich dann vor Johannisbeeren – hoffentlich – kaum retten ;-).

    27 . Jul . 2014
  7. Kirschbiene

    Krisi, keine Scheu vor Hefeteig – das ist wirklich ein ganz umgänglicher Geselle :-). Selbst, wenn der erste oder zweite Versuch nicht perfekt wird – mit der Zeit findest du heraus, was "dein" Hefeteig mag und wirst immer bessere Ergebnisse erzielen. Hand drauf :-). Ohne Hefeteig würde mir, ganz ehrlich, etwas fehlen, denn kein anderer Teig schmeckt frisch aus dem Ofen sooo herrlich…

    27 . Jul . 2014
  8. Kirschbiene

    lisa.k, da beneide ich dich aber um deine Johannisbeeren. Unsere sind schon durch bzw. haben die Vögel nicht mehr viel übrig gelassen ;-). Was wäre ich nur ohne meinen Obst- und Gemüsehändler! Würde mich freuen, wenn du die Schnecken mal ausprobierst :-).

    27 . Jul . 2014
  9. Anonym

    Hallo Kirschbiene,
    Du hast bestimmt auch bald viele viele Johannisbeeren an Deinen Sträuchern! Bei uns ist es jedenfalls so und die stehen erst einige wenige Jahre. Dein Rezept kam wegen der vielen Beeren jedenfalls wie gerufen. Ich habe also am Sonntag die Schnecken gebacken und wir haben sie zu zweit ruck zuck aufgegessen (beim Teigkneten dachte ich noch, dass ich den Lieblingsnachbarn eine Kostprobe vorbeibringen könnte). Dabei hatte ich vergessen, die Füllung, also die Beeren zu zuckern, aber das hat dem guten Geschmack keinen Abbruch getan. Ich bin total begeistert und plane, am nächsten Wochenende Dein Teigrezept zu verwenden, um Buchteln zu backen. Dazu wird es dann Vanillesoße und Johannisbeeren geben. Hatte ich nicht bei Dir ein Rezept für Vanillesoße gesehen?! Das wird dann auch gleich ausprobiert. Vielen Dank fürs kreieren und teilen!
    Grüße Heike

    30 . Jul . 2014
  10. Kirschbiene

    Huhu Heike, das wäre schön, wenn unsere Johannisbeeren sich ins Zeug legen würden – man kann aber tatsächlich schon von Jahr zu Jahr einen deutlichen Zuwachs sehen :-).
    Und dass dir mein Rezept gefällt, freut mich total! Nicht wahr – es ist ziemlich einfach, die Johannisbeerschnecken auch zu zweit zu verdrücken ;-)? Schön, dass ich mir nun nicht mehr ganz so verfressen vorkomme, hihi. Erzähl mir doch dann unbedingt, wie die Buchteln geworden sind – das klingt nämlich unwiderstehlich. Ein Rezept für Vanillesoße habe ich auch einmal gepostet – super Idee von dir, diese Kombination mal auszuprobieren (hätte von mir sein können ;-)). Viel Spaß beim Ausprobieren und gutes Gelingen!
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

    31 . Jul . 2014
  11. Heike

    Hallo Kirschbiene, ich habe gestern Buchteln gebacken und berichte gern darüber: ich habe meine Vorräte falsch eingeschätzt und musste deshalb für den Teig zur Hälfte Vollkornmehl verwenden. Das hat dem guten Geschmack aber keinen Abbruch getan. Für drei Personen habe ich die Teigmenge verdoppelt, das ergab 15 Buchteln. Die habe ich warm serviert, auch die Vanillesoße. Die Johannisbeeren habe ich roh dazu gegeben. Das ganze war sehr lecker! Alles schmeckt auch kalt und die letzten Buchteln habe ich als Brötchen mit Zartbitter-Schoko-Aufstrich gegessen. Weniger gesüßt kann ich mir den Teig gut für Hefeklöße vorstellen, das werde ich auf jeden Fall einmal probieren. Liebe Grüße Heike

    03 . Aug . 2014
  12. Kirschbiene

    Heike, das klingt ja extrem lecker – danke fürs Berichten! Ich glaube, Buchteln mit Vanillesoße muss ich auch unbedingt mal machen, du hast mir jetzt richtig Appetit darauf gemacht ;-). Und kalte Buchteln mit Zartbitter-Schokocreme klingen nach einer prima "Resteverwertung" :-).
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

    03 . Aug . 2014

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