„Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein. Und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Dieser Spruch führte das Ranking im Poesiealbum meiner Grundschulzeit ganz klar an (ich weiß gar nicht, ob die Jüngeren unter euch diese Alben überhaupt kennen?). Mehrfach stand dieser blumige Spruch jedenfalls in meinem Poesiealbum. Mal krakelig, mal schnörkelig, mal hingebungsvoll mit gekritzelten Blümchen verziert.

Ich weiß noch, wie aufregend es jedes Mal war, wenn ich mein Poesiealbum von einer Klassenkameradin zurückbekam. Was sie wohl hineingeschrieben hatte? Ob sie ihren Spruch genauso hingebungsvoll verziert hatte wie im Album meiner Freundin? Mit glühenden Wangen wurden die neuen Eintragungen gelesen und während ich das hier tippe, komme ich mir vor wie aus einem Enid Blyton Roman des letzten Jahrtausends entsprungen.

Das geliebte Poesiealbum wurde auch an Jungen verteilt, die, zugegebenermaßen, recht pragmatisch an die Sache herangingen. Spruch hineinkritzeln, einen kurzen Abschiedsgruß schreiben, ein paar Tintenkleckse hinterlassen und gut. Zudem – ich muss es einfach sagen – waren die Jungs recht schnörkellos in der Auswahl ihrer Sprüche. Nur zu gern wurde der Spruch von der Seite zuvor kopiert. Das erklärt rückblickend auch, warum der Veilchenspruch mehr als einmal zu lesen war.

Hm, aber mal ehrlich? Mir ist die Rose lieber. Die Veilchen, die ich vor Jahren in unserem Garten gepflanzt habe, sind einem schaurigen Nacktschnecken-Gemetzel zum Opfer gefallen. So viel also zur Bescheidenheit.

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Ein weiterer Zeitgenosse, der für mich ganz klar in die Kategorie „bescheiden“ fällt, ist Blumenkohl. Mir fällt kaum ein anderes Gemüse ein, das so unaufgeregt und unscheinbar daher kommt, wie diese Kohlsorte.

Mal die Hand heben – wer unter euch würde bei der Frage nach dem Lieblingsgemüse den Blumenkohl nennen? Süßkartoffel? Ja. Avocado? Ganz sicher. Spinat? Bestimmt. Doch Blumenkohl? Naja. So ging es mir jedenfalls lange Zeit. Bis Blumenkohl quasi über Nacht zu einem meiner Lieblingsgemüse avanciert ist. Gründe dafür gibt es viele.

Blumenkohl ist ein Verwandlungskünstler. Er schmeckt roh, gedünstet, gebacken. Er lässt sich zu Dips pürieren, zu Püree stampfen, zu Reis zerkleinern. Er macht sich gut als Pizzaboden, als Salat, in Falafeln, als Couscous.

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Blumenkohl ist wie alle Kohlsorten übergesund. Er enthält viel Vitamin C, reichlich Folsäure, Calcium und Zink. Von allen Kohlsorten ist er die am leichtesten verdauliche, weshalb er gern als Schonkost bei Magen-Darm-Erkrankungen verwendet wird. Wie alle Kohlsorten enthält Blumenkohl viele Ballaststoffe und wirkt sich positiv auf die Darmgesundheit aus.

Blumenkohl ist also mein erklärter Liebling der Saison. Dazu trägt unter anderem dieser Salat mit ofengebackenem Blumenkohl bei. Vor dem Backen werden die Röschen in einer üppigen, würzigen Soße mariniert und dann im Ofen sich selbst überlassen. Was dann duftend und golden aus dem Ofen kommt, macht mich froh. Und euch hoffentlich auch.

Für die Soße kommt unter anderem Miso zum Einsatz. Miso ist eine Würzpaste, die aus Sojabohnen sowie einer Getreidesorte hergestellt wird. Wer wie ich auf Gluten verzichtet, sollte nach Miso Ausschau halten, das mit Reis zubereitet wird. Ihr erhaltet es unter dem Namen Genmai Miso.

Miso ist sehr würzig, salzig und fügt Gerichten eine herzhafte, runde Note hinzu. Zudem ist es sehr gesund, denn es enthält unter anderem wertvolle Bakterien, die durch den Fermentationsprozess während der Herstellung entstehen. Des Weiteren enthält Miso alle essenziellen Aminosäuren und B-Vitamine. Für mich aus der Küche nicht mehr wegzudenken.

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Die heimische Blumenkohlsaison treibt es gerade auf die Spitze, also zieht los und holt euch dieses Supergemüse. Beim Einkaufen solltet ihr auf möglichst frisch-grüne Blätter achten, die dicht am Kohlkopf anliegen. Gelbliche oder gar welke Blätter zeigen wie eine rote Ampel an: Stopp. Diesen Kohl lieber links liegen lassen.

Quinoa-Rucola-Salat mit ofengebackenem Mandel-Blumenkohl

Für 2 Personen braucht man:

Für den Mandel-Blumenkohl:

1 mittelgroßen Blumenkohl (ca. 650 g Röschen, geputzt gewogen)
75 g Mandelblättchen oder Mandelstifte
125 ml Wasser
1 EL Zitronensaft
1 Knoblauchzehe
1 TL Reissirup
1 TL Reis-Miso (ca. 10 g)
1/2 bis 1 TL Salz
1/2 TL mildes Currypulver
1/2 TL Kurkuma
1/4 TL gemahlenen Koriander
2 Messerspitzen Chilipulver
etwas frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer

Für den Salat:
100 g Quinoa (rot oder weiß)
1/2 Bund Rucola
2 Frühlingszwiebeln
1 Avocado

Für das Dressing:
1 EL Olivenöl
1 EL Zitronensaft
1 EL Tahin
1 TL Ahornsirup
1/2 TL Salz
1/2 TL mildes Paprikapulver
1 EL Wasser
etwas frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer

So geht es:

1. Quinoa in einem feinen Sieb unter fließendem Wasser abspülen, in einen Topf geben, 200 ml Wasser dazu gießen und zum Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, die Hitze reduzieren und Quinoa ca. 15 Minuten sanft köcheln lassen. Wenn das Wasser vollständig verkocht ist, die Herdplatte ausschalten, einen Deckel auf den Topf legen und Quinoa weitere zehn Minuten quellen lassen.

2. Den Ofen auf 180° C vorheizen. Ein Blech mit Backpapier belegen. Den Blumenkohl in mittelgroße Röschen teilen, waschen, abtropfen lassen und in eine große Schüssel geben. Alle Zutaten für die Mandel-Marinade in den Foodprocessor oder Mixer geben (zunächst nur 1/2 TL Salz verwenden). Alles zu einer sämigen Soße mixen, noch einmal abschmecken und ggf. nachwürzen. Die Soße über den Blumenkohl gießen und alles gründlich vermischen. Den Blumenkohl auf das Blech geben und im Ofen 25 Minuten lang backen.

3. Die Zutaten für das Salatdressing in eine Schüssel geben und mit einem Schneebesen gründlich verquirlen.

4. Zu guter Letzt den Rucola waschen und trocken schleudern. Die Avocado schälen, in Würfel schneiden. Die Frühlingszwiebeln putzen und in feine Ringe schneiden. Alle Zutaten mit der fertig gegarten Quinoa in einer großen Schüssel vermengen und mit dem Salatdressing mischen. Den ofenwarmen Blumenkohl darüber geben.

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Enjoy ❤! Eure

Kirschbiene

4 thoughts on “Quinoa-Rucola-Salat mit ofengebackenem Mandel-Blumenkohl

  1. Ich verstehe gar nicht, warum Blumenkohl so ein langweiliges Image hat. Er ist doch so vielseitig und meiner Meinung nach auch total lecker. Liegt wahrscheinlich daran, dass man ihn mit fadem Kantinenessen verbindet?
    Dein Rezept und deine Worte regen übrigens total zum Nachdenken an. Als ich dein Poesiealbum-Zitat gelesen habe, muss ich zugeben, dass ich mir kurz an den Kopf gefasst habe. Ups, sollte ich mehr wie das Veilchen sein? Also, im echtem Leben bin ich eher zurückhaltend und nicht aufmüpfig oder laut, aber auf meinem Blog darf das gerne anders sein, oder? 😉 Naja, auf jeden Fall mal wieder ein sehr gelungener Post, liebe Bianca!
    xx Lynn

  2. Huhu Lynn,
    schön, dass du auch ein Blumenkohlfan bist :-). Ich finde, er hat dieses langweilige Image echt nicht verdient, nicht wahr? Ich glaube, mit Blumenkohl verbinden viele von uns halbtot gekochte Kohlröschen oder ähnlich Schauriges … Dabei kann Blumenkohl ja wirklich anders!
    Ach ja, ich finde, es spricht überhaupt nichts dagegen, am rechten Ort und zur rechten Zeit bescheiden zu sein. Dass du eine Liebe bist, merkt man übrigens – auch, wenn wir uns nicht persönlich kennen :-). Doch gerade wir Frauen sind meiner Meinung nach oft ZU lieb, ZU nett und vor allem ZU bescheiden – und das sollte man vielleicht von Zeit zu Zeit ruhig mal hinterfragen ;-).

    Liebe (und nicht bescheidene) Grüße
    Bianca

  3. Liebe Bianca!
    Ich musste gerade wirklich deinen erzählerischen Twist bewundern – ich glaube, mir wäre die Verbindung zwischen Veilchen, Rosen und Blumenkohl auch beim Schreiben selbst so gar nicht in den Sinn gekommen. 😉
    Poesiealben kenne ich in der Tat nur noch von meiner Mutter – wir selbst hatten die modifizierte Variante in Form von industriell vorgestalteten "Freundebüchern". Die Poesiealben meiner Mutter fand ich zwar immer etwas kitschig, aber doch mit wesentlich mehr Liebe gemacht als die Ersatzwerke unserer Generation.

    Um Blumenkohl habe ich ehrlich gesagt auch lange Zeit einen großen Bogen gemacht – ähnlich wie mit dem Spinat habe ich mit ihm wabbelig-tiefgefühlt-und-wieder-aufgetautes Essen in Verbindung gebracht, bis ich in meiner Adoleszenz dann irgendwann einmal auf den Trichter kam, dass es dieses Gemüse – o Wunder! – ja auch frisch zu kaufen gab. Mittlerweile liebe, liebe, liebe ich angebackenen Blumenkohl aus dem Ofen mit etwas Kokosöl und Meersalz. So lecker und so gut! Daher finde ich deinen Salat hier auch sehr ansprechen – der wird gleich einmal weggespeichert. 😉

    Liebe Grüße und hab' einen schönen Tag!
    Jenni

  4. Huhu Jenni,
    für mich lag die Verbindung von Veilchen & Blumenkohl einfach auf der Hand *lach*.

    Ja, diese fertigen Freundschaftsbücher gab es bei uns dann irgendwann auch. Die Poesiealben waren eher oldschool, aber sehr beliebt – ich mochte sie jedenfalls immer lieber als diese fertigen Alben. Und kitschig waren sie, oh ja :-)!

    Stimmt, Spinat fand ich lange Zeit auch eher "naja". Ist schon toll, wie man bestimmte ungeliebte Gemüse aus der Kindheit nach und nach so richtig zu schätzen weiß. Je mehr ich koche und ausprobiere, desto mehr finde ich irgendwie toll ;-).

    Liebe Grüße
    Bianca

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