Ich habe das Gefühl, dass es eine inoffizielle Beliebtheitsskala unter den Früchten gibt. Während die Bloggerwelt beim Erscheinen der ersten Erdbeeren laut jubelt und den beginnenden Sommer feiert, ist es um die anderen Beeren und Früchte deutlich ruhiger bestellt. Ich vernehme keine Jubelrufe, wenn Nektarinen oder Stachelbeeren reif sind. Es gibt einen kleinen zweiten Hype, sobald die Blaubeeren reif sind – doch was ist mit Pfirsichen, Aprikosen, Stachelbeeren oder Johannisbeeren?

Der Sommer hat schließlich so viel mehr zu bieten als die – zugegebenermaßen – himmlischen Erdbeeren. Vielleicht ist es der Zauber, der jedem Anfang innewohnt. Schließlich sind die Erdbeeren im Mai und Juni der Auftakt für den nahenden Sommer. Und auf den Sommer haben wir ja alle lang gewartet, nicht wahr? Doch wenn er dann da ist, haben Stachelbeeren und Konsorten irgendwie einen schweren Stand.

Ich finde, die Johannisbeere ist deutlich unterrepräsentiert, sowohl auf den zahlreichen Blogs als auch im Leben hier und dort. Ich kann es ja sogar irgendwie verstehen. Auch ich habe mich lange schwer getan mit dieser Beere. Johannisbeeren sind ziemlich sauer, kein Vergleich zu den aromatisch-süßen Erdbeeren. Wenn man Johannisbeeren selbst erntet, merkt man zudem schnell – das ist mitunter ein zähes Unterfangen. Bis man ein kleines Eimerchen voll hat (hah, Eimer – Schüsselchen), dauert es eine Weile. Und das Abstreifen von den Rispen kann man nicht anders als Geduldsspiel nennen.

Ich finde die Johannisbeere also durchaus etwas spöde und nicht so leicht zugänglich wie Himbeere oder Blaubeere. Doch es gibt ja so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick. Und das ist es, was ich mit der Johannisbeere erlebt habe.

Denn, warum auch immer – vor ein paar Jahren habe ich zwei Johannisbeersträucher in unserem Garten gepflanzt. Einen Strauch mit roten, einen mit weißen Johannisbeeren. Sie stehen an einem geschützten, etwas abseitigen Platz, wo sie nicht groß ins Auge fallen und allgemein wenig Beachtung finden. Diese Sträucher tragen Jahr für Jahr fast schon trotzig ihre Beeren zur Schau. Als wollten sie mir zurufen: „Nun los, hab uns endlich lieb!“

Dieses Jahr bin ich also, mit einem Schüsselchen bewaffnet, zur Tat geschritten. Habe an einem sonnigen Tag rote und weiße Johannisbeeren geerntet. Habe mich über die – wenn auch überschaubare – Ernte gefreut. Habe mich dann gefragt: Und nun? Was tun mit denn Beeren?

Die säuerliche Beere, die es in den drei Farbvarianten weiß, rot und schwarz gibt, eignet sich ja hervorragend für verschiedenste Zubereitungsformen: Ob Kuchen, Dessert, Gelee oder Cassis – ein Likör aus schwarzen Johannisbeeren – sie macht so ziemlich alles mit. Zudem lassen sich Johannisbeeren wunderbar einfrieren – etwas, das Erdbeeren ihnen erst einmal nachmachen müssen. Wer wie ich auch in der kalten Jahreszeit gern frische Beeren über Smoothiebowls oder warmen Hirsebrei gibt, ist also gut beraten, sich einen kleinen Vorrat an Johannisbeeren zuzulegen ;-). Mit ihrer feinen Säure ergänzen sie süße Frühstücksbreis und Porridges ziemlich gut.

Nicht zuletzt sind Johannisbeeren – wie wohl alle Beeren – natürlich vor allem eines: gesund. Johannisbeeren enthalten viel Vitamin C sowie hohe Mengen an Ballaststoffen, die dabei helfen, den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel zu regulieren. Auch mit einem ansehnlichen Kalium- und Eisengehalt kann die Johannisbeere aufwarten.
Letzten Endes entschied ich mich, meine stolze Ernte (ähm, naja) für kleine Rohkost-Törtchen zu verwenden. Wer die säuerlichen Beeren, so wie ich in diesem Rezept, nämlich roh verwendet, kommt in den vollen Genuss ihrer gesundheitlichen Vorzüge.

Diese Törtchen sind fruchtig, cremig und dank der Kombination aus Johannisbeeren und weißer Schokolade säuerlich-süß. Der Boden besteht aus gemahlenem Buchweizen (ich kann nicht anders!) und grünen Rosinen. Verzieht nicht gleich das Gesicht. Rosinen sind nicht jedermanns Sache, ich weiß. Doch grüne Rosinen sind mit normalen Rosinen nicht zu vergleichen. Sie werden besonders schonend getrocknet, wodurch viele wertvolle Inhaltsstoffe wie Eisen und B-Vitamine erhalten bleiben. Und grüne Rosinen haben eine wunderbare, weiche Konsistenz. Sie schmecken pur bereits ziemlich lecker und nicht „rosinig“. Wer aber partout keine Rosinen mag, kann stattdessen Medjooldatteln verwenden, die ja ebenfalls schön weich sind.

Für 12 Törtchen braucht man:

150 g Buchweizen
130 g grüne Rosinen
150 g Cashewkerne
100 g rote Johannisbeeren
45 ml Ahornsirup
1 EL Acaipulver (optional)
1/2 TL Vanille
1 EL Wasser
45 g Kokosöl

Für die weiße Schokolade braucht man:
25 g Kakaobutter
15 g Kokosöl
30 g weißes Mandelmus
1 EL Ahornsirup
1/2 TL Vanille

So geht es:

1. Die zwölf Mulden einer Muffinform mit Papierförmchen auskleiden.

2. Für den Boden der Törtchen zunächst den Buchweizen im Foodprocessor mahlen, dann die grünen Rosinen dazu geben und kurz mixen, so dass eine krümelige, zusammenhaftende Masse entsteht. Die Masse auf die zwölf Muffinförmchen verteilen und mit den Fingern flach drücken.

3. Für die Johannisbeercreme zunächst 45 g Kokosöl bei geringer Hitze schmelzen. Das Kokosöl mit den Cashewkernen, 45 ml Ahornsirup, Johannisbeeren, Vanille, Wasser und Acaipulver zu einer cremigen Masse mixen. Die Johannisbeercreme gleichmäßig auf die Muffinförmchen verteilen und glatt streichen.

4. Nun die Kakaobutter mit Kokosöl in einem Töpfchen schmelzen, Mandelmus, Ahornsirup und Vanille unterrühren. Die flüssige weiße Schokolade auf die Johannisbeerschicht gießen. Die Muffinform ca. 1,5 Stunden im Eisfach kühlen. Die Form zehn Minuten vor dem Servieren aus dem Eisfach nehmen, die einzelnen Förmchen herauslösen und die Törtchen ggf. mit Johannisbeeren garnieren.

 

Enjoy ❤! Eure

8 thoughts on “Rohe Johannisbeer-Cashewtörtchen mit weißer Schokolade

  1. Du hast völlig recht mit deiner Beobachtung ; ) Umso schöner, dass du dich der Johannisbeeren angenommen hast. Ein sehr ansprechendes Rezept… das ich wahrscheinlich mit den Heidelbeeren testen werde, die ich netterweise von den Nachbarn bekommen habe.
    Es grüßt die Billa

  2. Huhu Billa,
    schön, mal wieder von dir zu hören :-). Ja, die Johannisbeere kann einem fast leid tun, dagegen musste erwas unternommen werden ;-). Mit Blaubeeren werde ich diese Törtchen auch noch ausprobieren, feine Idee!
    Liebe Grüße
    Bianca

  3. Mhh, da hast du ja mal wieder etwas tolles gezaubert!Die Törtchen sehen wirklich sehr lecker aus und sind dabei noch vollwertig, super!
    Ich persönlich liebe ja Johnnisbeeren und mein absoluter Lieblingskuchen war immer der klassiche Johbnisbeerkuchen in dem die Beeren in einer Eischneeschicht stecken. Für mich der leckerste Kuchen! Wir hatten früher auch immer Johnnisbeersträucher im Garten, vielleicht kommt auch daher die Liebe;) Jetzt kann ich den Kuchen natürlich nicht mehr essen, muss aber unbedingt mal eine vegane Variante probieren. Ich verarbeite Johnnisbeeren aber jetzt sehr gerne zu Kompott und ein paar bleiben im Kühlschrank und kommen frisch in Müsli am Morgen!
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  4. Huhu Krisi,
    dein Lieblingskuchen von früher klingt toll! Erinnert mich an die "Schwimmbadtorte", die meine Mum früher oft gebacken hat – eine Torte mit Baiserhaube, unter der sich Stachelbeeren befanden. Die Kombination aus säuerlichen Beeren und Baiser fand ich toll – das hatte ich schon fast vergessen ;-). Ja, eine vegane Variante muss her, unbedingt!
    Schön, dass du Johannisbeeren so gern magst, irgendwie freut mich das ja für diese Beeren ;-).
    Liebe Grüße
    Bianca

  5. Liebe Bianca,
    wie schön Du das wieder mal beschrieben hast – ein kleines Fest für die Augen und fürs Gemüt. 🙂 Ich finde auch, dass Johannisbeeren total unterschätzt werden, v.a. die schwarzen haben es mir total angetan, ich finde ihren Geschmack richtig edel und nahezu unschlagbar. Leider ist die Saison schon fast wieder vorbei, aber ich hatte die tollen Früchtchen zum Glück ausgiebig.
    Deine wunderbaren Törtchen werde ich (wieder mal) ganz sicher nachmachen und ich schwelge schon in Gedanken. 🙂
    Süße Grüße
    Brigitte

  6. Liebe Bianca!
    Ich muss gestehen, dass ich zu denjenign gehöre, die gerade die Erdbeeren auf ihrem Blog feiern – meine Ode an den verschwindenden Sommer manifestiert sich im Porridge-Abgesang auf die Erdbeere. 😉
    Aber obwohl meine Beeren-Rezept-Auswahl auf dem Blog bisher noch anderes vermuten lässt: Ich stimme dir vollkommen zu – jede Beere hat etwas ganz Besonderes und ist es wert, ganz eigene Beachtung zu finden. 🙂
    Mit Johannisbeeren und Brombeeren verknüpfe ich ganz frühe und tiefe kindliche Erinnerungen ans Pflücken im Garten der Großeltern. Das war so viel Freude, wenn man dort zu Besuch war, eine riesige Schüssel in die Hand gedrückt bekam und sie dann unter der prallen Sonne mit knallreifen Beeren befüllen konnte! Das gehört zu meinen Traumbildern aus der Kindheit und ist einer der Hauptgründe, weshalb ich mir einen eigenen Garten wünsche: Als allererstes werde ich Johannisbeer- und Brombeer-Sträucher pflanzen. Und einen Pflaumenbaum, der gehört auch in diese Riege der Traumerinnerungen. Das wird schön… 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  7. Huhu Brigitte,
    toll, dass du ein Fan der schwarzen Johannisbeeren bist! Die fand ich als Kind immer viiiiel zu herb-sauer. Inzwischen mag ich sie gern – bekomme sie hier aber nur sehr selten. Ja, die Saison ist schon wieder vorbei, das geht aber auch immer schnell ;-). Ich werde diese Törtchen auf jeden Fall auch noch mit anderen Beeren testen, gute Idee (z. B. mit Blaubeeren oder Himbeeren – der Gefrierschrank gibt da zum Glück noch einiges her :-)).
    Liebe Grüße
    Bianca

  8. Huhu Jenni,
    ist doch schön, wie unterschiedlich wir Bloggerinnen unterwegs sind und dass bei dir gerade erst die Erdbeere "gefeiert" bzw. "verabschiedet" wurde :-). Ja, jede Beere ist einfach toll, auch wenn man halt so seine Lieblinge hat.
    Deine Kindheitserinnerungen ans Beerenpflücken sind wirklich schön! Auch bei mir gehört ausgerechnet die Johannisbeere fest zu meiner Kindheit – wir hatten viele Johannisbeersträucher im Garten, immer schwarze und rote Johannisbeersträucher im Wechsel. Die schwarzen habe ich dann meist übersprungen … *lach*.
    Ein eigener Garten ist schon was Schönes. Und wenn man dann noch eigene Beeren und eigenes Obst ernten kann … Ich wünsche dir, dass das (bald) in Erfüllung geht.
    Liebe Grüße
    Bianca

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