Dafür, dass ich im „Land des Brotes“ lebe, einem Land mit der weltweit größten Anzahl an Brotsorten, esse ich relativ wenig davon. Eher selten schmiere ich mir eine Stulle oder mache mir ein Sandwich. Ich bin also keine würdige Vertreterin der Brotzunft (gibt es die?). Jedoch als ich klein war, habe ich jede Menge Brot gegessen. Kaum ein Tag, an dem es nicht Brot in verschiedenen Varianten bei uns gab. Besonders gern denke ich an das Weißbrot zurück, das meine Oma in rauen Mengen gekauft hat. In unserer Nachbarschaft gab es damals noch das „Büdchen“. Einen winzigen Tante-Emma-Laden, nicht viel größer als eine Telefonzelle. Dort gab es auf knapp einem halben Dutzend Quadratmetern eine erstaunliche Auswahl an sinnvollen und weniger sinnvollen Dingen zu kaufen: Lottoscheine, saure Gurken und weiße Mäuse für fünf Pfennig das Stück, diverse Spirituosen, Schokolade und einiges mehr. 
Zwei Mal pro Woche ist meine Oma losgezogen, um dort einen Teil ihrer Einkäufe zu tätigen. Was sie jedes Mal mitbrachte, waren Unmengen an Brot. Wir Kinder waren ganz verrückt nach diesem Kastenweißbrot, das es dort gab. Man konnte eine Brotscheibe mit den Fingern zusammendrücken und dann zusehen, wie sie sich wieder – pfffff – ausdehnte. Der Inbegriff eines vollwertigen Brotes war das also nicht gerade, aber das interessierte mich damals natürlich nicht die Bohne. Wir Kinder (meine Geschwister sowie Cousins) fielen in regelmäßigen Abständen wie verfressene neunköpfige Raupen über dieses Weißbrot her – am liebsten dick mit Butter sowie Nussnougatcreme bestrichen. Da war so ein Brotlaib schon mal im Handumdrehen vernichtet.
Mein heutiges Rezept eignet sich weniger, um mit Nussnougatcreme gegessen zu werden. Ich denke nicht, dass eine Focaccia das mitmacht. Und dennoch gibt es eine Verbindung zum Kastenweißbrot meiner Kindheit: Nämlich diese luftige Konsistenz, die ich noch immer so gerne mag. Da werde ich dann ganz schnell wieder zum Brotjunkie. Es ist einfach herrlich, wenn man das frische, fluffige Brot mit der Hand in kleine Stücke reißt und damit dann Dips und Soßen vom Teller wischt :-). Traditionellerweise wird dieses ligurische Fladenbrot eigentlich zum Frühstück gegessen, doch es wäre viel zu schade, wenn man es darauf reduzieren würde. Was ich ebenfalls so an diesem Rezept schätze: Es ist wirklich einfach. Kein Vorteig (obwohl ich normalerweise auf die lange Teigführung stehe), wenige Zutaten, bis auf die Gehzeit des Hefeteigs im Handumdrehen zubereitet. Also ideal für (halbwegs) spontane Grillabende.
Für 1 Focaccia braucht man:
285 g Mehl (z. B. Weizenmehl Type 550)
1/2 Hefewürfel (21 g)
1 gestrichenen TL Salz
1 Prise Zucker
150 ml lauwarmes Wasser
3 EL Olivenöl
6 Zweige Rosmarin
Zum Bestreichen der Focaccia vor dem Backen:
1 EL Olivenöl
1 EL Fleur de Sel (alternativ ein anderes Meersalz)
So geht es:
Die Rosmarinzweige kurz waschen, gründlich abtrocknen und die Nadeln abzupfen, dann beiseite stellen. Die Hefe in einer kleinen Schüssel zerbröseln, mit 2-3 Esslöffeln des Wassers verrühren, bis sie sich aufgelöst hat. Das Mehl in eine große Schüssel geben und mit Salz und Zucker vermengen. In die Mitte des Mehls eine kleine Kuhle drücken und die aufgelöste Hefe hineingießen. Nach und nach mit Mehl vom Außenrand verrühren. Dann das restliche Wasser und das Öl dazu gießen, bis auf einen Esslöffel auch alle Rosmarinnadeln hinzugeben. Alle Zutaten zunächst kurz mit einem Kochlöffel vermengen. Schließlich alle Zutaten von Hand zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Für den Knetvorgang mindestens fünf Minuten vorsehen, gern auch länger – so wird schön viel Luft eingearbeitet. Sollte der Teig kleben, noch etwas Mehl einarbeiten.
Den Teig schließlich in einer mit einem Küchentuch zugedeckten Schüssel an einem warmen Ort gehen lassen (z. B. im 50° C warmen, ausgeschalteten Backofen – die Ofentür sollte mit einem Kochlöffel dabei einen Spalt offen gehalten werden). Die Gehzeit beträgt ungefähr eine Stunde – der Teig sollte nach dieser Zeit deutlich an Volumen zugenommen und sich verdoppelt haben. Nach der Gehzeit wird der Teig noch einmal kurz von Hand durchgeknetet und auf einer bemehlten Fläche 2-3 cm dick ausgerollt. Nun den Teig mit dem Stiel eines Kochlöffels in regelmäßigen Abständen einstechen. Zu guter Letzt mit Olivenöl beträufeln, die restlichen Rosmarinnadeln darauf verteilen und mit dem Fleur de Sel bestreuen. Die Focaccia bei 180° C ca. 15 Minuten backen.
Enjoy ❤! Eure

2 thoughts on “Rosmarin-Focaccia

  1. Viel Spaß beim Ausprobieren :-). Bei uns gab es diese Focaccia schon ein paar Mal, sie ist wirklich simpel in der Zubereitung und macht einfach Laune, wenn sie frisch aus dem Ofen kommt ;-).

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