Ich bin nun sicherlich keine von denen, die sagt, früher war alles besser. Vieles ist heute besser. Doch geht es euch nicht auch so, dass ihr manchmal dieses Sommerferienfeeling von früher vermisst? Sechs Wochen Schulferien und das Gefühl, diese Zeit liege wie eine unendliche Spanne voller Abenteuer und Glückseligkeit vor einem. Keine Schule, ausschlafen, in den Tag hineinträumen, mit Freunden treffen, den Tag im Freibad oder am Badesee vertrödeln, nur gestört von ein paar Stechmücken. Limonade, Eis am Stiel, nasse Haare und Gekicher.

Dieses Gefühl von Unendlichkeit ist es, das mir in meinem Erwachsenensommer manchmal fehlt. Es ist nicht einfach nur die Tatsache, dass ich keine sechs Wochen am Stück frei habe. Auch wenn das sicherlich helfen würde. Ich habe das Gefühl, die Zeit vergeht einfach anders. Schneller, strukturierter, verplanter. Selbst im Urlaub. Da möchte ich noch dies erledigen, jenes besichtigen, dort entlang schlendern und jenes einkaufen. Als Kind und Teenager fehlte dieses Zeitgefühl, sechs Wochen waren eine Eeeeeeewigkeit. Jeder Tag war ein kleiner Schatz, an dem man so viel erleben und entdecken konnte. Man hatte keine Verpflichtungen und konnte in den Tag hineinleben.

Daher ist mein Plan (schon wieder ein Plan) für den Urlaub: In den Tag hineinleben. Schauen, was sich ergibt und worauf ich absolut Lust habe. Und wenn ich etwas nicht unbedingt tun will – dann lasse ich es bleiben. In den ersten Urlaubstagen wird das vermutlich eher nix. Es dauert, den Alltag hinter sich zu lassen und sechs, sieben Gänge herunterzuschalten. Bei mir jedenfalls, vielleicht geht das bei euch schneller?

Ich habe mir für dieses Jahr jedenfalls eine kleine Sommerferien-Liste überlegt. Um ein klitzekleines bisschen so zu tun, als wären meine Ferien eine nie enden wollende Zeit. Meine Top 8 für diesen Sommer sind:

1. Eis zum Frühstück essen.
2. Einen Tag mit vollgepackter Kühltasche am Meer verbringen.
3. Kirschkernweitspucken veranstalten.
4. Federball/Bocchia/Wikingerschach spielen (irgendwas, worin ich also echt schlecht bin).
5. Bis nachts um drei alberne Filme schauen.
6. Einen meterhohen Stapel Bücher lesen.
7. Ruderboot/Kanu/Tretboot fahren.
8. Johannisbeeren/Himbeeren/Brombeeren direkt vom Strauch naschen, bis ich satt bin.

Mal sehen, was ich davon umsetzen werde. Was würdet ihr auf die Liste setzen?

Ich freue mich jedenfalls aufs „Abarbeiten“, denn es ist eine herrliche Spaßliste. Punkt 8 habe ich auch schon fast erledigt. Häkchen setzen. Himbeeren und Johannisbeeren habe ich bereits vom Strauch genascht. Satt wurde ich davon aber leider nicht. Denn unsere Beerensträucher im Garten sind, nun ja, eher mickrige Geschöpfe. Es wundert mich, dass sie überhaupt jedes Jahr tapfer Beeren hervorbringen. Da will es gut überlegt sein, was man Besonderes mit diesen wenigen Beeren macht!

Also landete nur ein Teil sofort im Mund. Ein anderer Teil begleitete diesen sommerlichen Rucola-Radicchio-Salat. Der perfekte Rahmen für divenhafte Johannisbeeren. Dabei ist der Salat selbst null kapriziös. Er ist schnell gemacht und dank Tempeh sowie Avocado ist er ausreichend gehaltvoll, um als richtige Mahlzeit durchzugehen. Perfekt für Sommertage, an denen man nicht lange in der Küche stehen will, sondern lieber schnell zum Kanufahren aufbrechen möchte.

Der Tempeh ist von einer süß-scharfen Soße ummantelt. Es ist kein Marinieren und Ziehenlassen notwendig, so dass der Tempeh fast von jetzt auf gleich zubereitet ist und dem Salat eine herzhafte Note zufügt.

Rucola-Radicchio-Salat mit ofengebackenem süß-scharfem Erdnuss-Tempeh

Für 2 Personen braucht man:

1 Bund Rucola
1/2 Radicchio
1/2 Avocado
3 frische Feigen
eine Rispe Cocktailtomaten
eine Handvoll Johannisbeeren
1 Rolle Tempeh (200 g)
2 EL Tamari (starke, glutenfreie Sojasoße)
1 EL Erdnussmus
1 EL Wasser
1 EL Ahornsirup
1 TL mildes Paprikapulver
1/2 bis 1 TL Salz
1/4 TL Chilipulver (oder mehr, je nach Geschmack)
2 EL Zitronensaft
1 EL mildes Öl, z. B. Rapsöl

So geht es:

1. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Ein Blech mit Backpapier belegen.

2. Tamari, Erdnussmus, Ahornsirup und Wasser in einer Schüssel verquirlen. Mit Paprikapulver, Salz nach Geschmack und Chilipulver würzen.

3. Tempeh in dicke Scheiben schneiden, in die Erdnussmarinade geben und so lange wenden, bis alle Scheiben von Marinade benetzt sind. Die Tempehscheiben auf das Blech geben und für 25 Minuten in den Ofen schieben. Die restliche Marinade aufheben.

4. In der Zwischenzeit Rucola und Radicchio waschen, in Streifen schneiden und auf zwei Tellern verteilen. Cocktailtomaten und Feigen waschen, halbieren und auf dem Salat verteilen. Die Johannisbeeren waschen und trockentupfen. Die Avocadohälfte in feine Streifen schneiden und mit den Johannisbeeren zum Salat geben.

5.  Die verbliebene Tempehmarinade mit dem Zitronensaft und dem Öl verrühren, dann über dem Salat verteilen.

6. Den fertig gebackenen Tempeh aus dem Ofen holen und auf dem Salat verteilen.

Enjoy ❤! Eure
 

6 thoughts on “Rucola-Radicchio-Salat mit ofengebackenem süß-scharfem Erdnuss-Tempeh

  1. Liebe Bianca,

    was für ein herrliches Sommer-Rezept – ich werde das wohl gleich am Wochenende in die Tat umsetzen. Danke wieder mal!

    Noch herrlicher finde ich aber Deinen Text, fühle mich soooo sehr angesprochen und möchte Dich (virtuell) ein bisschen dafür knuddeln 🙂 : Wenn ich an die Sommer der Kindheit denke, werde ich wirklich wehmütig – damals, als die Wege nur geradeaus gingen. Ich bin glücklich und unendlich dankbar, dass ich das so erleben durfte. Und ein bisschen hole ich mir das immer zurück, indem ich in die Heimat reise, so viele Beeren vom Strauch nasche, bis ich satt bin :-), im Garten liege oder um den See radele. Auf meine Erwachsenen-Spaßliste setze ich dann noch "Backen bzw. in der Küche experimentieren" und "Wandern" (am besten querfeld und auf Wegen, wo man stundenlang niemandem begegnet).

    Ich wünsche Dir ein fantastisches Sommerferienfeeling und dass Du ganz viel von Deiner Liste schaffst. 🙂

    Süße Grüße
    Brigitte

  2. Liebe Bianca!

    Was für ein toller Text! Ich meine: Du schreibst immer tolle Texte. Aber dieser hier ging mir gerade ganz besonders zu Herzen, da ich mich vor ein paar Tagen genau dasselbe gefragt habe: "Wo sind die unendlichen Weiten der Sommerferien hin?"
    Ich weiß nicht genau, wie das passieren konnte, aber irgendwie haben sie sich still und leise aus unserem Leben geschlichen, diese langen und unendlichen Tage. Und auf einmal ist alles verplant und durchorganisiert, ganz wie du schreibst.
    Deinen neuartigen Plan finde ich also ganz großartig – einfach einmal wieder ein bisschen genießen, als ob die Zeit sich wieder in kindlicher Perspektive dehnen könnte… 🙂

    Ach ja: Den Salat finde ich übrigens sehr wohl ganz klasse – ich liebe Gerichte, die schnell zubereitet sind, sättigen und doch nicht schwer im Magen liegen. Und ich liebe Salate. Mit Avocado – hach! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  3. Huhu Brigitte,
    danke fürs virtuelle Knuddeln ;-). Es freut mich, dass ich dich mit meinen Zeilen angesprochen habe. Ich glaube, wir Erwachsenen erinnern uns gern an dieses unbeschwerte Kindheits-Ferien-Gefühl und werden dabei ein wenig nostalgisch. Mir geht's jedenfalls so. Und ich finde deinen Plan, dir ein wenig von diesem Gefühl ins Heute zu holen, wunderbar – Beeren vom Strauch naschen, rosa-lila verfärbte Finger zu haben, das ist definitiv etwas, das an frühere Sommer erinnert :-).

    Ich habe Punkt Nr. 8 meiner Liste übrigens definitiv geschafft – ich habe von den Himbeeren tatsächlich so viele gegessen, bis ich nicht mehr wollte/konnte ;-). Ich bin gespannt, wie es mit den sieben restlichen Punkten weitergeht!

    Liebe Grüße
    Bianca

  4. Huhu Jenni,
    danke, meine Liebe :-). Irgendwie beruhigend, dass auch du dieses Gefühl kennst – das ist wohl so ein allgemeines Erwachsenending, dass wir diese unbeschwerten, leichten Sommertage ein wenig vermissen. Daher freue ich mich – fast schon kindisch – auf die Umsetzung meines "Plans" :-).

    Schön, dass dir das Rezept auch gefällt – der Salat ist für mich die perfekte Mischung aus sommerlich-leicht und herzhaft-sättigend.

    Sei lieb gegrüßt!
    Bianca

  5. Endlich komme ich dazu mir in Ruhe den Post durchzulesen. Der Salat sieht super lecker aus und mit der Marinade bekommt der Tempeh sicher einen ganz anderen Geschmack!Gute Idee in einfach in den Ofen zu schieben. Bei uns im Dorf bekommen ich leider keinen Tempeh, aber wenn ich wieder in die Stadt fahre nehme ich mir einen mit=)
    mir geht es übrigens auch so mit den Sommerferien…meine sind schon wieder praktisch vorbei und es ging so schnell als wäre es nur 1 Woche gewessen. Dabei habe ich einiges gemacht. Komisch ist das…
    Ich hoffe du hast mittlerweile schon einiges von deiner Liste streichen können. Ich habe mir nicht viel vorgenommen, ausser mehr ins Schwimmbad zu gehen und etwas zeitiger aufzustehen, damit der Tag länger ist;)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  6. Huhu Krisi,
    schön, wieder von dir zu lesen und "Willkommen zurück"! Ich hoffe, du hattest einen richtig tollen Urlaub (da du ja auch ein paar Tage in Dänemark warst, bin ich mir sicher, es war eine schöne Zeit ;-)).
    Anscheinend geht es uns Erwachsenen generell so, dass wir ein komisches Verhältnis zur Zeit entwickelt haben und stets das Gefühl haben, sie würde rasen und uns förmlich entgleiten … Von meiner Liste habe ich bisher einen Punkt "geschafft". Ich habe Himbeeren gepflückt und mich daran wirklich satt gegessen :-). Die anderen Punkte werde ich versuchen, in meinem anstehenden Urlaub in Dänemark umzusetzen. Ich glaube, fernab vom heimischen Alltag gelingt das leichter und ich fühle mich am Meer stets ein bisschen zurück in meine Kindheit versetzt ;-).
    Ja, probiere Tempeh mal mit dieser Marinade aus. Er ist schön würzig, hat aber immer noch diese typische Tempeh-Note, die man einfach mögen muss. Bin gespannt, ob dir der Tempeh auf diese Weise schmeckt.
    Liebe Grüße
    Bianca

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