Vegan UND glutenfrei? Muss das denn sein? Und funktioniert das überhaupt?
Wie beides wunderbar Hand in Hand gehen kann, erlebe ich seit Anfang 2015 Tag für Tag. Ich verrate dir hier, wie es zu dieser Ernährungsweise bei mir kam, was diese Ernährung für meinen Alltag bedeutet und wo meiner Meinung nach die gesundheitlichen Vorteile liegen.

Vegan zu leben, war vor über zehn Jahren eine komplett spontane und freiwillige Entscheidung bei mir. Bekommt man den Satz: „Was kannst du denn überhaupt noch essen?“ als vegan lebende Person hin und wieder zu hören, erreicht dieser Satz völlig neue Dimensionen, wenn man zusätzlich komplett auf Gluten verzichtet. Glutenfrei zu essen war bei mir zunächst keine ganz so freiwillige Entscheidung. Ich habe gern ab und zu Brot gegessen, habe meine klassischen Rührkuchen und Plätzchen aus Weizen oder Dinkel geliebt und bin, was Gluten angeht, jahrelang völlig unbelastet und unbedarft gewesen.

Ich hatte zwar seit wenigen Jahren regelmäßige Verdauungsbeschwerden, aber wer redet schon gern darüber, wenn es im Darm grummelt und gluckst und der Bauch regelmäßig dem einer aufgeblähten Trommel ähnelt? Zudem kamen und gingen diese Beschwerden, waren mal stärker, mal schwächer, mal gar nicht vorhanden, so dass ich mich im Lauf der Zeit an sie „gewöhnt“ hatte wie an einen unliebsamen Untermieter, der gern mal die Musik zu laut aufdreht.

Ende 2014 war dann aber langsam Schluss mit lustig, denn nun lief ich in schöner Regelmäßigkeit mit reißenden Unterleibsschmerzen und einem aufgeblähten Bauch herum, was nun nicht mehr so einfach zu ignorieren war. Mir dämmerte, dass vermutlich etwas mit meiner Ernährung nicht in Ordnung war. Kurzentschlossen startete ich Anfang 2015 einen Versuch: Ich verbannte alle glutenhaltigen Lebensmittel aus meiner Ernährung – ich hatte das Gluten schon länger im Verdacht, der Auslöser für meine Beschwerden zu sein und was hatte ich schon zu verlieren? Und es war so, wie ich vermutete: Innerhalb einer Woche war ich meine Beschwerden komplett los.

Ob bei mir nun Zöliakie vorliegt oder ich „nur“ eine Glutenunverträglichkeit habe – das weiß ich nicht. Eine sichere Diagnostik kann man nur betreiben, wenn man sich glutenhaltig ernährt. Ich müsste also gezielt wieder Gluten in meine Ernährung einbauen, um dann diverse Tests durchführen zu können. Aber ehrlich? Darauf habe ich keine Lust. Mir geht es ohne Gluten gut und daher bleibe ich auch dabei. Wie das Kind heißt, spielt letzten Endes keine so große Rolle, denn ich weiß, dass Gluten problematisch für mich ist. Und ich weiß inzwischen, dass diese Einschränkung zu neuer Kreativität beim Kochen und Backen führen kann, zu ungewohnten Geschmackserlebnissen, zur Beschäftigung mit unbekannten Zutaten und Zubereitungsweisen.
Pin on Pinterest

Anfangs gab es durchaus sorgenvolle Minuten: Vegan essen, ja, aber auch noch glutenfrei? Bleibt dann genug übrig, was zu einer ausgewogenen, leckeren, glücklich machenden Ernährung gehört? Oder würde mein Speiseplan fortan langweilig und einseitig aussehen? Meine Sorgen schob ich schnell beiseite. Ich krempelte die Ärmel hoch. Las viel. Las noch mehr. Und setzte meine gewonnenen Erkenntnisse in die Tat um. Probierte Rezepte aus, veränderte, ergänzte, machte mich mit dem neuen Terrain vertraut.

Heute merke ich, wie mein Körper endlich zur Ruhe gekommen ist. Es fühlt sich für mich an, als hätte ich meine Balance gefunden. Als würde alles rund laufen und ineinander greifen. Dass Verdauungsprobleme der Vergangenheit angehören, ist nur eins von vielen positiven Resultaten meiner Ernährung. Ich bin konzentrierter und fokussierter. Mein Körper hält sein Gewicht spielend und bewegt sich automatisch stets in einem scheinbar definierten Raum, egal, ob ich schlemme wie Gott in Frankreich. Ich habe mehr Energie und bin ausgeglichener.

Gluten verursacht längt nicht nur die typischen Darmbeschwerden, sondern zieht viel weitere Kreise. Das ist das Vertrackte – bei Bauchschmerzen denkt man leicht an eine Nahrungsmittelunverträglichkeit und kommt früher oder später vielleicht auf das Thema „Gluten“. Doch bei Zyklusstörungen, Migräne, Konzentrationsschwäche, Nervosität, Depressionen oder Eisenmangel denkt man vermutlich nicht so leicht in diese Richtung. Und dabei sind dies nur weitere Gesichter, die eine Zöliakie und auch Glutenunverträglichkeit zeigen kann.

Ich bin der Meinung, dass man es mit dem Gluten nicht übertreiben sollte, auch wenn man zu denjenigen gehört, die es gut vertragen. Denn Gluten begleitet uns heute auf Schritt und Tritt, was früher oder später einfach zu viel werden kann. Nicht nur, dass es von morgens bis abends in offensichtlichen Lebensmitteln wie Müsli, Frühstücksbrötchen, Pasta und Kuchen steckt. Nein, Gluten befindet sich auch dort, wo man es nicht unbedingt vermuten würde – in Räuchertofu, Gemüsebrühen, Sojasoße und vielem mehr. Daher kann es nicht schaden, hin und wieder bewusst einen Gang hinunterzuschalten und sich den vielen vielleicht vernachlässigten Lebensmitteln zuzuwenden, die ganz ohne Gluten daherkommen. Vielleicht erlebt man, so wie ich, ja die eine oder andere positive Überraschung dabei :-).

Viel Erfolg auf euer Reise zu mehr Wohlbefinden ❤! Eure